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Starte am besten mit Beitrag 1, um die Grundlagen zu verstehen.
Nachdem du verstanden hast, warum dich bestimmte Ereignisse unterschiedlich treffen können, zeigt sich im nächsten Schritt ein weiterer wichtiger Zusammenhang.
Denn oft bleibt es nicht bei einem einmaligen Geschehen.
Bestimmte Reize können auch lange Zeit später immer wieder ähnliche Reaktionen auslösen – selbst dann, wenn das ursprüngliche Ereignis bereits zurückliegt.
In der Biologie wirken Gesetzmäßigkeiten, die sich gut nachvollziehen lassen, wenn man beginnt, wieder „bio-logisch“ zu denken.
Ein zentraler Bestandteil dieses Verständnisses sind die sogenannten Konflikt-Schienen.
Wenn ein Mensch einen biologischen Konflikt in Form eines Konflikt-Erlebnisschocks erlebt, wird in diesem Moment nicht nur der Konflikt selbst gespeichert. Gleichzeitig prägt sich auch eine Art „Momentaufnahme“ der Begleitumstände ein – ähnlich wie ein inneres Blitzlichtfoto.
Zu diesen Begleitumständen können gehören:
- Geräusche, Töne oder Stimmen
- Gerüche
- körperliche oder emotionale Empfindungen
- Geschmackseindrücke
- anwesende Menschen oder Tiere
- bestimmte Orte oder Situationen
- Farben und weitere Sinneseindrücke
All diese Eindrücke können dauerhaft im Gedächtnis verankert bleiben.
Begegnet der Betroffene später einem dieser Elemente erneut, kann der ursprüngliche Konflikt wieder aktiviert werden – man spricht dann von einem Konfliktrezidiv.
Kommt es durch Schienen wiederholt zu Rezidiven (Konfliktaktivierungen) entsteht eine Abfolge von Aktivität und anschließenden Heilungsphasen. Der Organismus wechselt dabei immer wieder zwischen Konfliktaktivität und Lösung. Wird dieser Ablauf häufig durchlaufen, wird er als „chronisch“ wahrgenommen und man spricht von einer „hängenden Heilung“.
Neben der eigentlichen Konflikt-Schiene gibt es auch sogenannte Nebenschienen. Das sind genau diese begleitenden Eindrücke, die im Moment des Konflikts als bedeutsam abgespeichert wurden.
Dabei können mehrere solcher Nebenschienen gleichzeitig existieren.
Wichtig ist: Schon ein einzelner dieser Auslöser kann ausreichen, um den gesamten Konflikt wieder „anzufahren“.
Bildlich gesprochen werden in der Sekunde des Konfliktschocks die Schienen gelegt, auf denen der „Zug“ später immer wieder ins Rollen kommen kann.
Ein Beispiel macht das anschaulich:
Wenn ein prägendes Erlebnis – etwa im Zusammenhang mit einer ersten Liebeserfahrung – mit einem Konfliktschock verbunden war, kann ein begleitender Sinneseindruck wie ein bestimmter Geruch (z. B. von Heu) Teil dieser Schiene werden. Tritt dieser Geruch später erneut auf, kann er unbewusst den gesamten Konflikt wieder aktivieren. Die Reaktion darauf zeigt sich dann oft in wiederkehrenden körperlichen Symptomen, die in diesem Zusammenhang als rezidivierende Erscheinungen auftreten können (etwa Heuschnupfen).
Dabei ist nicht einmal der ursprüngliche Reiz in identischer Form nötig – manchmal genügt schon eine ähnliche Situation oder sogar eine gedankliche Erinnerung, um die entsprechende Reaktion auszulösen.
Konflikt-Schienen sind also zusätzliche Verknüpfungen, die mit dem eigentlichen Konflikt verbunden sind.
Entscheidend ist dabei immer das persönliche Empfinden im Moment des ursprünglichen Erlebnisses – nur der Betroffene selbst kann nachvollziehen, was in diesem Augenblick tatsächlich bedeutsam war.
Wenn es gelingt, den ursprünglichen Konflikt und die damit verbundenen Schienen zu erkennen, verändert sich der Umgang damit. Wiederkehrende Auslöser verlieren an Bedrohlichkeit, weil sie eingeordnet werden können. Gleichzeitig kann dies ein Hinweis darauf sein, dass der zugrunde liegende Konflikt noch nicht vollständig gelöst ist.
Schienen erklären, warum Menschen manchmal scheinbar plötzlich und ohne ersichtlichen Grund in alte Reaktionsmuster zurückfallen.
Diese Prozesse laufen meist unbewusst ab und entziehen sich dem rationalen Zugriff – sie lassen sich eher über Beobachtung und Erfahrung nachvollziehen.
Wenn du beginnst, solche Zusammenhänge zu erkennen, wirkt vieles weniger zufällig.
Reaktionen, die zuvor unverständlich erschienen, lassen sich in einen größeren Zusammenhang einordnen.
Auch wenn solche körperliche Reaktionen im Alltag durchaus belastend sein können, lassen sie sich als eine Art biologisches Warnsignal verstehen:
Sie weisen darauf hin, dass eine ähnliche Situation bereits einmal als konflikthaft erlebt wurde – verbunden mit der Aufforderung, achtsam damit umzugehen.
Im nächsten Schritt geht es darum, diese Erkenntnisse zusammenzuführen und zu verstehen, wie daraus im Alltag ein klares Gesamtbild entstehen kann.